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Am Sonntag stimmen die Münchner über die Zukunft ihres Flughafen ab

posted 16 Jun 2012, 12:38 by Meriposa World   [ updated 16 Jun 2012, 12:42 ]

München, Deutschland 

Den Grabstein nehmen die Leute von der Bürgerinitiative Attaching immer mit – auf jede Demo, zu jeder Protestveranstaltung. Ein Kreuz ist eingemeißelt. Darauf steht: Attaching, gegründet im Jahre 790, getötet von der dritten Landebahn.

Attaching hat 1.000 Einwohner, ein Teilort der Bischofsstadt Freising und liegt direkt am Münchner Flughafen. Käme die neue Startbahn, "würde das Dorf sterben", sagt Michael Buchberger von der Bürgerinitiative, die den Bau seit Jahren bekämpft. Attaching ist zu einem Symbol geworden für den Widerstand gegen das geplante 1,2 Milliarden Euro schwere Verkehrsprojekt – das zweitteuerste in ganz Süddeutschland überhaupt nach dem Stuttgarter Tiefbahnhof S21.

Am Sonntag stimmt die Münchner Bevölkerung in einem Bürgerentscheid darüber ab, ob die dritte Startbahn gebaut werden soll. Das Projekt ist höchst umstritten, nicht nur in den Städten und Gemeinden knapp 40 Kilometer nördlich der Landeshauptstadt, die von noch mehr Fluglärm und Naturzerstörung betroffen wären. Auch in München wird heftig und teils quer zu den politischen Lagern gerungen. Die Stadt ist mit 23 Prozent am Betreiber, der Flughafen München GmbH (FMG), beteiligt.

Befürworter und Gegner gleichauf

Ist die dritte Startbahn eine wichtige Zukunftsinvestition für das wirtschaftlich blühende Bayern, für den Luftverkehr und die Flugreisenden? Oder steht das Projekt für Geldverschwendung, Lärm und Naturzerstörung? Diese Fragen werden in München derzeit heiß diskutiert.

Prognosen über den Wahlausgang wagt kaum jemand mehr. Lange sah es so aus, als würde eine Mehrheit für die Startbahn stimmen. Laut einer nicht repräsentativen Online-Umfrage der Süddeutschen Zeitung allerdings liegen Befürworter und Gegner gleichauf.

Ähnlich gespalten sind auch die Landesparteien: Die CSU ist für die vier Kilometer lange Bahn, die nördlich und parallel zu den beiden bestehenden gebaut werden soll. Ebenso die SPD, die von Münchens Oberbürgermeister und Ministerpräsidentenkandidaten Christian Ude maßgeblich auf Kurs gebracht wurde. Dennoch liefern sich Ude und Seehofer eine fintenreiche politische Kontroverse um den Flughafen. Udes Position: Lehnen die Münchner die Startbahn gegen sein Votum ab, so stellt sich die Stadt München auch dagegen. Im Landtagswahlkampf 2013 würde er sich selbst vermutlich ebenfalls daran halten. 

Seehofer hingegen hat nun überraschend angekündigt, auch im Falle eines negativen Votums an den Plänen festhalten zu wollen: Dann will der Ministerpräsident die Landtagswahl zu einer inoffiziellen Abstimmung über die Startbahn machen. München könnte etwa seine Anteile verkaufen und wäre dann nicht mehr im Boot. Einen Volksentscheid in ganz Bayern strebt indes momentan niemand an, auch wenn dem Freistaat 51 Prozent des Flughafens gehören. Der Bund ist mit 26 Prozent dabei.

Zeit Online, 16 Juni, 2012

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