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Timo Boll ist und bleibt Europameister in Tischtennis

posted 21 Oct 2012, 10:25 by Meriposa World   [ updated 21 Oct 2012, 10:25 ]

Dänemark 

Europas Tischtennis-König Timo Boll hat seine märchenhafte Erfolgsstory in Dänemark fortgeschrieben. Mit seinem souveränen 4:1-Endspielsieg gegen den Kroaten Tan Ruiwu erhöhte der Ausnahmekönner seine beeindruckende EM-Sammlung auf sechs Einzeltitel und insgesamt 16 Goldmedaillen. „Die Europameisterschaft ist das Haus- und Hof-Turnier von Timo“, lobte der vorzeitig gescheiterte Olympia-Dritte Dimitrij Ovtcharov seinen Kumpel, der sich bei dem Kompakt-Turnier in Herning für das frühe Aus bei den Olympischen Spiele in London rehabilitierte.

„Es hat hier alles gepasst, angefangen vom Zeitplan. Ich habe mich nicht kaputt trainiert und wollte meine Energie nicht verbraten“, sagte Rekord-Europameister Boll zu seiner tadellosen Leistung. Bei seinen sechs Siegen an drei Tagen, darunter ein 4:1 im Halbfinale gegen seinen London-Bezwinger Adrian Crisan (Rumänien), geriet der WM-Dritte kaum in Bedrängnis. Das weitgehend einseitige Finale gegen den gebürtigen Chinesen war mit 11:2, 11:6, 11:7, 11:13, 9:11 eine königliche Machtdemonstration.

 „Ich fühle schon Genugtuung, die Olympia-Revanche ist geglückt“, erklärte der ungemein locker, gelöst und dabei dennoch sehr konzentriert aufspielende Boll. „Irgendwie ist es aber bitter, dass ich diese Leistung nicht bei Olympia abrufen konnte. Auch wenn die EM ein wichtiges Turnier ist, hätte ich gerne getauscht.“ An der Seite von Boll stand der deutsche Meister Bastian Steger (Saarbrücken) als Dritter auf dem Siegerpodest.

Die Freude über die ersehnte erste EM-Einzelmedaille wurde durch den Ärger über die umstrittene Niederlage im Halbfinale gegen Tan Ruiwu getrübt. „Mein Gegner hat die Aufschläge mit dem Körper verdeckt. Dadurch konnte ich den Spin nur schwer erkennen“, sagte der Olympia-Dritte mit dem Team.

Neben Gold und Bronze im Herren-Einzel holten das Damen-Doppel Kristin Silbereisen/Jiaduo Wu (Kroppach) sowie Ovtcharov an der Seite des Weißrussen Wladimir Samsonow im Doppel jeweils Bronze für den Deutschen Tischtennis-Bund (DTTB). „Wir sind nicht unzufrieden, vier Medaillen sind aber keine maximale Ausbeute. Die EM war dennoch ein ordentlicher Abschluss einer grandiosen Saison“, bilanzierte DTTB-Sportdirektor Dirk Schimmelpfennig. Im Damen-Einzel, das die Weißrussin Viktoria Pawlowitsch zum zweiten Mal nach 2010 gewann, nutzten die DTTB-Vertreterinnen nach einem tollen Auftakt am Freitag ihre Chancen nicht. Kristin Silbereisen schaffte es als Beste ins Viertelfinale.

Unprofessioneller Fehler von Baum

Im Kreuzfeuer der Kritik stand Patrick Baum. Der Düsseldorfer wurde nach seinem Sieg gegen Crisan disqualifiziert. Der Belag seines Ersatzschlägers war um 0,05 Millimeter zu dick. Der EM-Zweite von 2010 und 2011 hatte das Spielgerät nicht kontrolliert. „Das war mein Fehler“, sagte Baum. „Das war unprofessionell“, schimpfte der frühere Doppel-Weltmeister Steffen Fetzner.

Die Erstrunden-Pleite des dänischen Mitfavoriten Michael Maze dämpfte die EM-Stimmung erheblich. Viele Zuschauer blieben zu Hause. Auch der deutsche Shooting-Star Ovtcharov blieb mit dem Einzel-Aus im Viertelfinale hinter den eigenen Erwartungen zurück. Der ehrgeizige Profi hatte hoch gepokert und im Gegensatz zu Boll auch für das Doppel gemeldet. „Wir hatten das unseren Herren nach der anstrengenden Saison freigestellt“, sagte Bundestrainer Jörg Roßkopf. Ob der Doppelstart die Ursache für Ovtcharovs 3:4-Niederlage gegen Tan Ruiwu war, will der Trainerstab noch analysieren. „Es war für mich trotzdem ein Super-Jahr“, meinte der zweifache Olympia-Dritte.

Von Frankfurter Allgemeine, 21.10.2012

Deutschland in Halbfinale nach 4:2 gegen Griechenland

posted 22 Jun 2012, 18:47 by Meriposa World   [ updated 22 Jun 2012, 18:47 ]

Die harte Arbeit hat sich gelohnt. Eine Stunde lang mühte sich der große Favorit im Viertelfinale gegen Griechenland, aber dann war der Gegner müde und der Weg frei für einen hochverdienten 4:2-Sieg, der die Deutschen ins Halbfinale am Donnerstag (20.45 Uhr / Live im F.A.Z.-Ticker) führte, entweder gegen Italien oder England.

Kapitän Philipp Lahm hatte das deutsche Team vor der Pause in Führung gebracht (39. Minute), der Ausgleich durch Giorgos Samaras irritierte die Deutschen dann fast überhaupt nicht (55.). Der herausragende Sami Khedira erzielte nur sechs Minuten später die abermalige Führung, und dann machten die Deutschen mit einem müden und entmutigten Gegner, was sie so gerne wollten.

Sie beherrschten die Partie nach Belieben und bezauberten ihre Fans mit Kombinationsfußball und Konsequenz. Zwei der neuen Kräfte in der Anfangsformation, Miroslav Klose (68.) und Marco Reus (74.), machten bei einem letzten Gegentreffer von Salpingidis (88., Handelfmeter) mit ihren Toren den Erfolg perfekt – und verschafften ihrem Trainer auch das gute und sichere Gefühl, mit seinen Personalentscheidungen genau richtig gelegen zu haben.

Denn die Startaufstellung des Bundestrainers nur eine Überraschung zu nennen, wäre eine Untertreibung gewesen. Die Veränderungen waren so umfassend, dass er damit auch die eigenen Spieler verblüfft bis irritiert haben dürfte – je nachdem, wo sie sich beim Anpfiff wiederfanden. Am Ende aber lagen sich alle in den Armen. Eine so umfassende Rotation hatte der Bundestrainer jedenfalls noch bei keinem Turnier vorgenommen, nicht einmal bei Qualifikationsspielen.

Löw hatte mit Gomez, Podolski und Müller gleich auf drei Stammkräfte verzichtet und sich damit auch von seiner jahrelangen Gewohnheit, in wichtigen Partien seinem bewährten Personal zu vertrauen. Gomez hatten drei Tore und eine Vorlage bei der EM nicht zur persönlichen Qualifikation gereicht, Podolski und Müller waren erstmals in ihrer Karriere bei einem großen Turnier nicht von Anfang an dabei.

Die ganz große Lösung mit einer komplett erneuerten Offensive hatte für Löw-Verhältnisse etwas Revolutionäres an sich. So viel Mut zum Risiko hatte man bei ihm lange nicht mehr erlebt – dem Konkurrenzkampf in Richtung Halbfinale dürfte die Maßnahme jedenfalls auch nicht geschadet haben.

Dass der eingesprungene Bender seinen Platz wieder an Boateng nach dessen abgelaufener Sperre abtreten musste, war da gar nicht mehr der Rede wert. Aber aller Veränderungswille konnte nichts daran ändern, dass gegen Griechenland lange Schwerstarbeit und viel Geduld gefragt waren.

Die Deutschen verschludern hochklassige Chancen

Es hätte vieles leichter gemacht, wenn der Treffer von Klose in der vierten Minute nicht wegen Abseits aberkannt worden wäre. Klose war tatsächlich ein Schrittchen zu sehr voraus. Als dann aber auch noch Reus in der 12. Minute nach einer schönen Kombination über Khedira verzog, entwickelte sich das Spiel zunächst so, wie es sich die Griechen gewünscht hatten.

Sie nahmen den Schwung aus den deutschen Angriffen und positionierten sich nach der ersten Verwirrung stabiler. Die deutsche Kombinationsgabe war trotzdem noch immer groß genug, um sich Weg durch das griechische Dickicht zu bahnen. Als sein Team aber zwischen der 23. und 25. Minuten drei zum Teil hochklassige Chancen verschluderte, schien Löw an der Seitenlinie fast verrückt zu werden.

Die Griechen machen ihre Sache geschickt

Die belebenden Elemente, die zunächst Reus auf der rechten Seite ins Spiel brachte, nach Anfangsschwierigkeiten dann auch Schürrle auf der anderen, waren nicht zu übersehen – aber was fehlte, war zunächst wieder einmal die Konsequenz und Effizienz vor dem Tor.

Die Griechen machten ihre Sache geschickt, sie setzten immer wieder giftig zu Kontern an und schafften es dabei viel zu oft, die deutsche Defensive in Eins-zu-Eins-Situationen zu verwickeln. Dies lag nicht zuletzt an mangelnder Präzision im deutschen Aufbau- und Mittelfeldspiel.

Lahms Tor erinnert an das WM-Auftaktspiel 2006

Ein müde wirkender Schweinsteiger leistete sich immer wieder Fehlpässe, auch Badstuber erging es in der Abwehr so und Schürrle im Angriff – und ohne Müller und Podolski besaß das deutsche Spiel damit weniger Ballsicherheit als zuletzt, trotz jeder Menge Ballbesitz fehlte so eine Stunde lang die umfassende Spielkontrolle.

Die kurzzeitige Erlösung kam dann, trotz einer neuen Offensivreihe, aus der Abwehr. Lahm machte sich einen der wenigen griechischen Stellungsfehler mit einer geschickten Ballannahme zunutze und verschaffte sich clever den nötigen Raum. Sein herrlicher Schuss aus rund zwanzig Metern erinnerte an seinen Treffer beim WM-Auftaktspiel 2006.

Der große Favorit Deutschland behält die Ruhe

Zehn Minuten nach der Pause waren die Deutschen jedoch wieder ganz am Anfang ihrer Bemühungen angelangt. Ein Fehlpass von Schürrle setzte Lahm einem Eins-zu-Eins-Duell auf der linken Abwehrseite gegen Salpingidis aus, dessen Zuspiel Samaras am verdutzten Boateng vorbei aus fünf Metern über die Linie drückte – so leicht ließen sich die Griechen dann auch von den Deutschen nicht aus der Euro vertreiben.

Aber der große Favorit behielt die Ruhe. Es dauerte nur sechs Minuten und die Deutschen hatten sich ihre Führung zurückgeholt. Eine gefühlvolle Flanke wuchtete der überragende Khedira aus wenigen Metern volley unter die Latte. Das war dann auch für die großen Widerstandskämpfer dieser EM zuviel.

Ein wunderbarer deutscher Fußballabend

Ihr Elan und ihre Konzentration erlahmten allmählich. Nach einem Freistoß von Özil erzielte Klose mit einem Kopfball das 3:1, und kurz darauf machte Reus mit einem herrlichen Treffer den wunderbaren deutschen Fußballabend perfekt. Daran konnte auch das 2:4 durch einen zweifelhaften Handelfmeter von Salpingidis ganz kurz vor Schluss nichts mehr ändern.

Von Michael Horeni, Danzig, 22 Juni 2012

Gomez und Hummels stehen wohl in der Startelf

posted 9 Jun 2012, 10:16 by Meriposa World   [ updated 22 Jun 2012, 18:41 ]

Beim ersten Spiel gegen Portugal gibt es offenbar einige Überraschungen in der deutschen Startelf: Mario Gomez beginnt für Miroslav Klose, Mats Hummels ersetzt Per Mertesacker. Bastian Schweinsteiger fängt im defensiven Mittelfeld an. Der Trainer der Portugiesen bangt um den Einsatz von Flügelflitzer Nani.

Am Donnerstag war Miroslav Klose noch blendend gelaunt. Auf der Pressekonferenz machte er kleine Witze, etwa den, dass er vor wenigen Jahren "ein Vollblinder" in Sachen Fußball gewesen sei. Er hatte guten Grund zum Fröhlichsein, schließlich werteten nicht wenige die Anwesenheit Kloses auf dem Podium als Indiz dafür, dass der Angreifer gegen Portugal in der Startelf stehen würde. Klose sagte: "Noch tragen mich meine Beine, deswegen schleppe ich meinen Kadaver noch ein wenig durch."

Wenige Stunden vor der ersten Partie der deutschen Elf sieht es indes so aus, als sei dieser Kadaver doch nicht durchzuschleppen - oder zunächst nur in Richtung Ersatzbank. Joachim Löw schickt statt Klose doch den gesunden und fitten Mario Gomez aufs Feld.

Vom deutschen Trainerteam gibt es noch keine Bestätigung - nach SZ-Informationen erlitt Klose jedoch im Training eine leichte Blessur am Sprunggelenk, an der anschließenden Torschuss-Einheit nahm er nicht teil. Auch der kicker meldet: "Das Pendel schlägt Richtung Gomez aus." Bild.de schreibt: "Bundestrainer Jogi Löw überrascht Fans und Experten, setzt die beiden Routiniers Per Mertesacker (27) von Arsenal London und Geburtstagskind Miro Klose (34/Lazio Rom) gegen Portugal zu Beginn nur auf die Bank."

Klose, der am Samstag 34 Jahre alt wird, hatte wegen einer Knöchelverletzung in der Rückrunde kaum für Lazio Rom gespielt. Löw hatte jedoch zu Beginn der Übungseinheiten angekündigt, die medizinische Abteilung würde den Angreifer gesund bekommen und er höchstselbst für die Fitness sorgen. Während der Vorbereitung auf Sizilien und in Südfrankreich allerdings musste Klose immer wieder aufgrund kleinerer Blessuren pausieren.

"Keiner kennt seinen Körper besser als Miro", hatte Löw am Freitag noch gesagt - doch offenbar hat dieser Körper nun Signale gesendet, dass es zu früh für einen Einsatz in der Startelf ist. Dabei hatte Klose bei den ersten Turnier-Partien deutscher Mannschaft fast immer getroffen: dreimal gegen Saudi Arabien 2002, zweimal gegen Costa Rica bei der Heim-WM 2006 und einmal gegen Australien 2010 in Südafrika.

Von Jürgen Schmieder, Süddeutsche Zeitung, Juni 9, 2012

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